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in Entwicklung: Frauen in Führungs-und Entscheidungspositionen im österreichischen Gesundheitswesen

 

Sammlung von Ideen und Informationen zum Thema

Frauen in Führungs-und Entscheidungspositionen im österreichischen Gesundheitswesen

Ziel der Erhe­bung ist die Darstel­lung des Sta­tus quo und der Entwick­lung des Frauenan­teils in Entschei­dungspo­si­tio­nen im öster­re­ichis­chen Gesund­heitswe­sen. Konkret sollen die Bere­iche Medi­zin, Pflege, Ver­wal­tung, Tech­nik, medi­zinis­che Forschung und Entwick­lung in die Erhe­bung ein­be­zo­gen sein.

Erhe­bun­gen des Frauenan­teils in Führungs-und Entschei­dungspo­si­tio­nen wer­den für Wirtschaft und Poli­tik kon­tinuier­lich durchge­führt, speziell für das Gesund­heitswe­sen ist derzeit kein der­ar­tiges Mon­i­tor­ing ver­füg­bar. Es sollen die Repräsen­tanz von Frauen und Män­nern in diesen Bere­ichen und Hier­ar­chieebe­nen­sowie eventuellestruk­turelle Bar­ri­eren für die Kar­ri­eren von Frauen dargestellt wer­den und eine Basis für Entwick­lun­gen und Aktiv­itäten zur Gle­ich­stel­lung der Geschlechter geboten werden.

  • Erhe­bung von Dat­en (Sta­tis­tiken, Inter­ne­trecherche, Umfragen,)
  • Analyse der erhobe­nen Dat­en und Ver­gle­ich mit ver­füg­baren Dat­en ander­er Länder
  • Inter­pre­ta­tion, Diskus­sion, Erken­nt­nisse und Empfehlungen

 

Zum Hin­ter­grund

Die aus­ge­wo­gene Vertre­tungvon­Frauen und Män­nern in Führungs-und Entschei­dungspo­si­tio­nenin allen Gesellschaftsbereichen–darunter Poli­tik, Wirtschaft, Wis­senschaft –ist ein wichtiges Ziel im Bere­ich der Geschlechter­gle­ich­stel­lung und Aus­druck der demokratis­chen Repräsen­ta­tion. Immer mehr Frauen sind bess­er aus­ge­bildet als je zuvor. Trotz­dem sind sie in den Spitzen-und Entschei­dungspo­si­tio­nen weit­er­hin sel­tener vertreten als Män­ner. Regelmäßige Erhe­bun­gen, Pro­jek­te und Empfehlun­gen sollen –wie auch geset­zliche Maß­nah­men und Selb­stverpflich­tun­gen –dazu beitra­gen, den Anteil von Frauen in Spitzen­po­si­tio­nen zu erhöhen (https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/frauen-und-gleichstellung/gleichstellung-am-arbeitsmarkt/frauen-in-fuehrungs-und-entscheidungspositionen.html).

Erhe­bun­gen des Frauenan­teils in Führungs-und Entschei­dungspo­si­tio­nen wer­den für Wirtschaft und Poli­tik kon­tinuier­lich durchge­führt, speziell für das Gesund­heitswe­sen ist kein der­ar­tiges Mon­i­tor­ing verfügbar.

Laut dem seit 2005 jährlich von der AK durchgeführten„Frauen.Management.Report“liegt der Frauenan­teil in den Geschäfts­führun­gen der Top 200 Unternehmen in Öster­re­ich im Jahr 2018 bei 8,4%. Von den Auf­sicht­sratsmit­gliedern der Top 200 Unternehmen sind 18,5% weiblich.

Bei den börsen­notieren Unternehmen liegt der Frauenan­teil in Auf­sicht­sräten im Jahr 2018 bei 18,0%. Auch der Frauenan­teil in Vor­stand­spo­si­tio­nen ist geringer als in den umsatzstärk­sten 200 Unternehmen und liegt 2018 bei 5,1%. Der im Feb­ru­ar 2020 veröf­fentlichte Bericht der Arbeit­erkam­mer “Frauen.Management.Report 2020” zeigt als umfassend­ste Erhe­bung für die öster­re­ichis­chen Unternehmen erneut, dass ohne verbindliche Zielvor­gaben nur langsame Fortschritte zu verze­ich­nen sind. Beispiel­sweise waren 2019 nur 22,6Prozent der Auf­sicht­srats­man­date in den umsatzstärk­sten 200 Unternehmen von Frauen beset­zt, in den Geschäfts­führun­gen waren 8Prozent Frauen vertreten.

In der Bun­desregierung sind derzeit 53 Prozent Frauen vertreten, im Nation­al­ra­trund 39 Prozent (Stand März 2020). Auf der Ebene der Län­der lag der Frauenan­teil der gewählten Land­tagsab­ge­ord­neten öster­re­ich­weit bei 33 Prozent (Stand Novem­ber 2019). Auf der Ebene der Gemein­den sind Frauen noch deut­lich­er in der Min­der­heit: Laut Angaben des Gemein­de­bunds hat­ten im Okto­ber 2019 von den 2.096Gemeinden Öster­re­ichs 175 eine Bürg­er­meis­terin. Das entspricht einem Anteil von 8,3 Prozent.Weitere Zahlen zur Repräsen­ta­tion von Frauen in poli­tis­chen Entschei­dungspo­si­tio­nen in Öster­re­ich sind im gle­ich­nami­gen Bericht zu find­en, welch­er jährlich durch die Sek­tion für Frauen und Gle­ich­stel­lung aktu­al­isiert wird.

 

Zur Sit­u­a­tion in Deutschland

Frauen im Gesund­heitswe­sen sind meis­tan der Basis zu finden,Spitzenpositionenbesetzen oftMänner.Dochdas Bewusst­sein in Sachen­Par­itätwächst (Dana Bethken­hagen, https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/mangelnde-paritaet-im-gesundheitswesen-fehlen-frauen-in-fuehrungspositionen/25648554.html). Weniger als zehn Prozent der Vor­standsmit­glieder der zehn größten geset­zlichen Kranken­ver­sicherun­gen sind weib­lich. Auf Bun­de­sebene hat keine der Beruf­skam­mern einen par­itätisch beset­zten Vor­stand. Auf Lan­desebene wer­den etliche Kam­mern von zwei oder mehr Män­nern –und kein­er Frau –geführt.Weniger als zehn Prozent der Vor­standsmit­glieder der zehn größten geset­zlichen Kranken­ver­sicherun­gen sind weib­lich –das ist die ernüchternde Erken­nt­nis aus der Kleinen Anfrage „Entwick­lun­gen zum Frauenan­teil in der Selb­stver­wal­tung im Gesund­heitswe­sen“ der Bun­destags­frak­tion Bünd­nis 90/Die Grünen.Bei der Ini­tia­tive „Spitzen­frauen Gesund­heit“ kom­men Frauen aus allen Bere­ichen des Gesund­heitssys­tems zusam­men, um eine geschlechterg­erechte Verteilung von Entschei­dungspo­si­tio­nen und eine geschlechtersen­si­ble Gesund­heitsver­sorgung zu fordern.Mehr als beden­klich­sei die Sit­u­a­tion bei den Lehrstühlen an den Universitätskliniken–„13 Prozent Frauenan­teil auf den Lehrstühlen”. Die Dekane der medi­zinis­chen Fakultäten seien kom­plett männlich.Der Frauenan­teil in Führungspo­si­tio­nen in der Uni­ver­sitätsmedi­zin hat sich in den let­zten drei Jahren von zehn auf 13 Prozent erhöht. Der Deutsche Ärztin­nen­bund e.V. (DÄB) warnt davor, dass bei unverän­dertem Tem­po eine par­itätis­che Beset­zung erst in 32 Jahren erre­icht wäre. (http://www.zwd.info/expert*innen-einig-es-braucht-mehr-frauen-in-spitzenpositionen.html2019 // M. Dick).

 

Zur Sit­u­a­tion in Österreich

Rund die Hälfte der Studieren­den an Öster­re­ichs Med-Unis sind Frauen, in den ärztlichen Chefe­ta­gen regieren aber nach wie vor Män­ner (G.Brandstetter, Daniela Yeoh, 2019 https://www.derstandard.at/story/2000100831366/frauen-in-der-medizin-wo-die-glaeserne-decke-am-dicksten). Die Medi­zin wird zwar weib­lich­er, doch nur wenige Frauen arbeit­en in Kliniken und Forschung in Führungspo­si­tio­nen. So sind unter Pri­mari­ats­be­set­zun­gen­lediglich rund zwölf Prozent Frauen, nur etwa jede vierte Pro­fes­sur an den Med-Unis Wien, Graz und Inns­bruck ist weib­lich besetzt.

Von 127000 erfassten Beschäftigten im Gesund­heits­berufer­eg­is­ters arbeit­en zum Stich­tag, dem 8. April2019 85,5 Prozent­Frauen. Der höch­ste Män­ner­an­teil find­et sich aktuell in der Phys­io­ther­a­pie (22,9 Prozent), der niedrig­ste in der Orthop­tik (2,4 Prozent).

Ein ähn­lich­es Bild zeigt sich bei den Apotheken: Von den mehr als 6.300 in Öster­re­ich täti­gen Apothek­erin­nen und Apothek­ern sind knapp 80 Prozent weib­lich. Der Män­ner­an­teil vari­iert je nach Bun­des­land etwas –er ist in Tirol am höch­sten und in der Steier­mark am niedrig­sten. An der Spitze nimmt der Frauenan­teil jedoch deut­lich ab: Nur jede zweite Apotheke wird den Angaben zufolge von ein­er Frau geführt.

Ein ähn­lich­es Bild zeigt sich an den Medi­zinis­chen Uni­ver­sitäten in Wien, Graz und Inns­bruck. Während Frauen­im ver­gan­genen Stu­di­en­jahr bei den Studieren­den noch knapp die Mehrheit gestellt haben, sinkt ihr Anteil im Ver­lauf der uni­ver­sitären Kar­ri­er­estufen drastisch.

 
 

Als Indika­tor für Auf­stiegschan­cen an den Uni­ver­sitäten gilt der Glas­deck­en-Index, der den Frauenan­teil am wis­senschaftlichen Per­son­al in Rela­tion zum Frauenan­teil unter den Pro­fes­soren und Pro­fes­sorin­nen set­zt. Ein Wert von 1 deutet auf gle­iche Auf­stiegschan­cen von Män­nern und Frauen hin, je stärk­er die Abwe­ichung, desto “dick­er” die gläserne Decke für Frauen. Im Win­terse­mes­ter 2017 weisen die drei Medi­zinis­chen Uni­ver­sitäten einen Glas­deck­en-Index-Wert zwis­chen 1,85 und 2,19 aus.

Knapp die Hälfte (47,6 Prozent) aller Medi­zin­er in Öster­re­ich sind Frauen, in der oberen Hier­ar­chieebene –unter den Pri­marärzten –sind sie aber nur zu zwölf Prozent vertreten. “Das Gesund­heitssys­tem wird immer noch in weit­en Teilen von Män­ner­net­zw­erken dominiert”, sagt Mar­garethe Hochleit­ner, Pro­fes­sorin für Gen­der-Medi­zin an der Med-Uni Innsbruck.

Die Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf gaben Öster­re­ichs Ärztin­nen als größtes Kar­ri­ere­hin­der­nis an. Ins­beson­dere Jün­gere (Ärztin­nen in Aus­bil­dung) sehen für Frauen im ärztlichen Beruf größere Kar­ri­ereein­bußen durch Kinder als für Män­ner (“ja, auf­je­den Fall”: 75 Prozent, “eher ja”: 22 Prozent).

Weit­er­führende Ideen:

Konkrete Zahlen erheben

  • zur Entwick­lung
  • für Forschung­sein­rich­tun­gen Medi­zin, Pflege –z.B. Lud­wig Boltz­mann, KLG

zur Diskus­sion: Frauen in Führungspo­si­tio­nen und Abteilungsper­for­mance https://www.ihs.ac.at/publications/lib/IHSPR6511144.pdf

Datenergänzungen:Aus 2014: Beson­ders niedrig ist der Frauenan­teil im Bere­ich der Tech­nik und Inge­nieur­wis­senschaften. 2012 lag der Frauenan­teil unter Absolvent/inn/en bei 23 % und Öster­re­ich damit eben­falls an vor­let­zter Stelle im EU-Rank­ing. Allerd­ings wurde in diesem Bere­ich ein Aufhol­prozess ges­tartet, da 2004 der Frauenan­teil noch bei 14 % lag.Der Frauenan­teil sinkt nochmal ab, wenn nicht auf die Absolvent/inn/en eines PhD-oder Dok­toratsstudi­ums, son­dern auf die als Wissenschafter/innen und For-scher/in­nen Beschäftigten abgestellt wird. Hier liegt der Frauenan­teil bei 30 %, d. h. auch hier liegt Öster­re­ichunter dem EU-Durch­schnitt von 34 %. Allerd­ings zeigt sich in Öster­re­ich ins­beson­dere bei Frauen ein über­durch­schnit­tlich­er Zuwachs der Zahl der Wissenschafter/ innen und Forscher/innen (She Fig­ures 2015). Während zwis­chen 2005 und 2011 die Zahl der Wis­senschafter und Forsch­er jährlich im Schnitt um 4,7 % gestiegen ist (EU-28: 3,3 %), liegt die Zuwach­srate bei Frauen bei jährlich 8,7 % (EU-28: 4,8 %).

Aus 2015: Beim Frauenan­teil unter Wissenschafter/innen und Forscher/innenstellt sich diePar­tizipa­tion von Frauen zwis­chen den Sek­toren sehr het­ero­gen dar. Während im Unternehmenssek­tor der Frauenan­teil bei nur 17 % liegt, weisen der gemein­nützige Sek­tor und der staatliche Sek­tor (ohne Hochschulen) nahezu ausgeglichene

 

Geschlechter­ver­hält­nisse auf. An Hochschulen stellen Frauen 40 % der Wissenschafter/innen. Im inter­na­tionalen Rank­ing nimmt Öster­re­ich beim Frauenan­teil im Unternehmens­bere­ich den 23. Platz ein und im Hochschulsek­tor den 20. Platz. Hin­sichtlich des gemein­nützi­gen Sek­tors und des staatlichen Sek­tors nimmt Öster­re­ich eine Posi­tion im Mit­telfeld ein. Allerd­ings ent­fall­en auf diese bei­den Bere­iche nur rund 5 % aller Wissenschafter/innen

 

Eine pos­i­tive Entwick­lung zeigt sich für Öster­re­ich im Bere­ich der Beteili­gung von Frauen an Hochschulleitun­gen. Der Frauenan­teil liegt in Öster­re­ich mit 23,5 % über dem EU-Durch­schnitt (20 %). Öster­re­ich liegt damit an 9. Stelle im EU-Rank­ing. Gegenüber dem Jahr 2007 hat sich die Sit­u­a­tion in eini­gen EU-Län­dern deut­lich verbessert, am stärk­sten in Däne­mark, wo sich der Frauenan­teil in Hochschulleitun­gen von einem niedri­gen Aus­gangswert weg ver­sechs­facht hat. In Öster­re­ich hat sich der Frauenan­teil in Hochschulleitun­gen im Zeitraum 2007 bis 2014 vervier­facht. In Litauen hat sich der Wert ver­dreifacht und in Bel­gien, Bul­gar­ien, Deutsch­land, Let­t­land, den Nieder­lan­den und der Slowakei zumin­d­est verdoppelt.2014: Frauenan­teil in Hochschulleitun­gen 23,5 %In Öster­re­ich hat sich der Frauen-anteil in Hochschulleitun­gen seit 2007 vervier­facht. Damit hat Öster­re­ich im EU-Ver­gle­ich nach Däne­mark die zwei­thöch­ste Wach­s­tum­srate zu verze­ich­nen. Beim Frauenan­teil in Gremien liegt Öster­re­ich sowohl im Hin­blick auf die Leitung von Gremien wie auch die Mit­glied­schaft in Gremien mit 38 % bzw. 27 % über dem EU-Durch­schnitt. Im Hin­blick auf den Frauenan­teil unter Mit­gliedern in Gremien liegt Öster­re­ich im EU-Rank­ing auf Platz 7. Schwe­den, Lux­em­burg, Finn­land und die Nieder­lande haben bere­its ein aus­geglich­enes Geschlechter­ver­hält­nis bei Mit­gliedern von Gremien erre­icht, in Däne­mark und Bul­gar­ien sind zumin­d­est 40 % der Mit­glieder von Gremien weib­lich. Beim Frauenan­teil unter Leitun­gen von Gremien liegt Öster­re­ich im EU-Rank­ing auf dem 9. Platz. In Spanien und in Let­t­land wer­den rund 60 % der Gremien von Frauen geleit­et, allerd­ings liegt der Frauenan­teil unter Mit­gliedern von Gremien bei rund 30 %

Der Glass Ceil­ing Index misst die Auf­stiegschan­cen von Frauen in Top Posi­tio­nen in Wis­senschaft und Forschung –konkret in Pro­fes­suren. Ein Wert von 1 bedeutet, dass Frauen diesel­ben Chan­cen wie Män­ner haben, eine Pro­fes­sur zu erre­ichen. Je niedriger der Wert ist, desto schw­ererist die Gläserne Decke zu durch­brechen. Öster­re­ich liegt im EU-28-Rank­ing an 17. Stelle. Der Glass Ceil­ing Index für Öster­re­ich hat sich zwar in den let­zten Jahren verbessert, ist jedoch mit 0,57 noch deut­lich vom Ide­al­w­ert entfernt.